Facettenreiches Lima

Hola liebe Leserinnen und Leser und willkommen zurück am anderen Ende der Welt- in Lima.

Mittwoch, 17.08.2016

Gerade befanden wir uns noch am Flughafen, wenig später saßen wir schon alle im Taxi und waren auf dem Weg zu unserem ersten Zuhause, dem Kloster in Callao. Nach einer nervenaufreibenden Fahrt durch das Verkehrschaos der im Nebel versunkenen peruanischen Hauptstadt standen wir nun genau vor den Nonnen und blickten in freundliche und wohlwollende Gesichter. Dass wir sie kaum verstanden schien sie auch beim Mittagessen nicht sonderlich zu stören- im Gegenteil, sie hatten die größte „Gaude“ mit uns. Und so unterhielten wir uns schon bald mit Händen und Füßen über deutsche Essgewohnheiten, was uns am nächsten Tag viel Freude bereiten wird, aber lest selbst…

Um noch ein bisschen was von Lima zu sehen und das durch das Jetlag entstandene Schlafbedürfnis noch ein wenig hinauszuzögern, fuhren wir nach Larcomar, wo wir einen fantastischen Ausblick auf das Meer hatten und Lima von einer etwas anderen Seite kennenlernen durften. Die Stadt, die uns die letzten Stunden so grau und trostlos erschienen war, wirkte plötzlich bunt, lebhaft und überraschte mit Grünflächen und modernen Gebäuden.

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Außerdem probierten wir in diesem Viertel der Stadt ein typisch südamerikanisches Getränk: Inca Kola. Obwohl Pedro uns vorgewarnt hatte, hörten wir auf Adrianas Schwärmerei und wurden eher negativ überrascht: das Getränk schmeckte unserer Meinung nach künstlich und war viel zu süß.

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Um unseren ersten Abend ausklingen zu lassen, besuchten wir den Parque de la Reserva.

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Donnerstag, 18.08.2016

Dass dieser Tag ein guter Tag werden würde, ahnten wir schon morgens. Wir alle saßen im gemütlichen Esszimmer der Nonnen und wollten gerade anfangen zu frühstücken, da fiel uns auf, dass die Klosterfrauen den Abend zuvor etwas falsch verstanden hatten. Beim Fragen nach deutschen Essgewohnheiten erzählten wir, dass wir kalten Orangensaft und warme Milch trinken, wenn es ein ausgiebigeres Frühstück sein soll. Wieso sie das falsch verstanden haben, können wir uns immer noch nicht erklären, aber der Gedanke an warmen Orangensaft und kalte Milch, die wir an diesem Tag serviert bekamen, lässt uns immer noch schmunzeln.
Obwohl wir im Kloster einen zwar kurzen, aber schönen Aufenthalt hatten, waren wir zugegebenermaßen erleichtert, als Adrianas peruanischer Teil der Familie uns einen Umzug zu ihnen ermöglichte. Callao, das Stadtviertel, in dem wir uns bis dahin aufhielten, wurde vor einigen Monaten von der Regierung als einziger Ort in ganz Peru in Ausnahmezustand versetzt. Bis heute herrscht dort viel Gewalt und Kriminalität vor. Adrianas Familie empfing uns nicht nur am Flughafen schon mit offenen Armen, sie hielt uns auch die Haustüre für die nächsten Tage offen. Außerdem unternahm sie viel mit uns und kümmerte sich um uns, als wären wir Teil der Familie. (Si lo leen, gracias por todo!)
Nach diesem aufregendem Teil des Tages verbrachten wir den Rest damit, unseren Gang zur Botschaft bestmöglich vorzubereiten und ein bisschen zu entspannen, schließlich wollten wir abends fit sein, denn Adrianas Cousins und deren Freunde haben sich für uns ein Abendprogramm einfallen lassen. So kam es also, dass wir schon an unserem zweiten Abend in das peruanische Nachtleben schnupperten und danach erschöpft ins Bett fielen…
Freitag, 19.08.2016
Dass Behördengänge in Deutschland nicht immer das spannendste sind, das weiß ja jeder. Aber im Ausland, vor allem in Peru, scheinen sie einem Abenteuer zu gleichen. Da gibt es einmal einen Türsteher, der einen zum Termin drängt (Was ist denn da mit der hora peruana los?), Aufzüge, die anscheinend bis in den 51. Stock fahren und das, obwohl im Fahrstuhl selbst das höchste Stockwerk das 20. ist, eine hochmoderne und sichere deutsche Botschaft, in der man das System mit den Türen erst am Ende durchblickt und schließlich auch noch Aufzüge, mit denen man plötzlich nur noch nach oben, nicht aber mehr nach unten fahren kann. Gott sei Dank hat mit der Beantragung einer Verlängerung unserer Visa jedoch alles geklappt!
Danach trafen wir uns mit Pedro und verbrachten den Rest des Tages damit, die Kathedrale am Plaza de Armas zu besichtigen und durch die Altstadt zu bummeln.
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Samstag, 20.08.2016

Armut hat Städte gebaut. (Sprichwort)

Dass dieses Zitat so gut zu der Situation in Peru passt, war uns bis gestern nicht bewusst.
Erst als wir mit dem Bus zu einem der Lima umgebenden Berge fuhren, von dem aus wir die Stadt von oben sehen wollten, fiel uns auf, dass die „pueblos jóvenes“ den ganzen Hang bedecken.
Sicherlich – wir wussten alle, dass Peru ein Land ist, in dem viel Armut vorherrscht, aber dass solche Viertel fast eine ganze neue Stadt abseits der eigentlichen Stadt bilden, war für uns dann doch schockierend. Auch die Art und Weise, wie die Menschen dort in ihren Häuschen leben müssen, wie viele Hunde hier durch die Straße streunen und die Tatsache, dass kleine Kinder dort im Schmutz spielen, erinnerte uns alle daran, wie gut wir es eigentlich haben.

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Weil wir wussten, dass Peru eine große Vielfalt an uns unbekannten Obst- und Gemüsesorten zu bieten hat, stand als nächstes eine Fahrt zu einem Markt auf dem Programm.
Die Taxifahrt dorthin hat allerdings erstmal einen bleibenderen Eindruck hinterlassen, denn sie ähnelte einer wahren Kamikaze-Fahrt… Eine schier endlose Tour mit dem Taxi durch die Straßen Limas raubt nicht nur Zeit, sondern auch Nerven. Dass hier um Fahrspuren gekämpft und Vorfahrt bzw. Ampeln grundsätzlich keine Beachtung geschenkt wird, daran werden wir uns in Zukunft wohl noch gewöhnen müssen. Als wir, komplett verängstigt, am Markt ausgestiegen sind, waren wir uns anfangs nicht mehr sicher, ob wir überhaupt noch Obst probieren können, denn wie fast immer nach einer Taxifahrt war uns allen kotzübel. Trotzdem: Die Besichtigung des Markts war ein voller Erfolg!

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Um nicht in Arequipa das erste Mal allein Bus fahren zu müssen, sind wir dann die Strecke bis nach Hause (ja, wir bezeichnen es schon als unser Zuhause) zusammen mit Pedro und seiner Tochter Allison gefahren. Und auch das ist anders als zuhause: Billiger, rasanter und sehr viel interessanter. Haltestellen gibt es nur zur Deko, man kann überall
zu-/aussteigen und bei Stau fährt der Bus einfach eine andere Route.

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Lima bei Nacht

Was unsere Woche wohl am besten beschreibt: Jetlag ist schlimmer als jeder Rausch! 😀

Saludos,
Adriana, Elke, Lena, Lucie und Luisa

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